Von: djo Bundesverband An: CC: Betreff: djo-Nachrichtenticker 1/2011 Datum: Montag, 7. Februar 2011 10:46:50 Anlagen: clip_image002.gif clip_image003.gif djo-Nachrichtenticker 1/2011 Der aktuelle Nachrichtenticker aus Berlin, Deutschland und der Welt :-) Besondere Aufmerksamkeit hat die Föderung nach §96, Beiträge zum Thema Integration und dem Internationalen Jugendaustausch. Inhalt: · Der Erhalt des Kulturguts der früheren deutschen Siedler in Osteuropa fördert interkulturelle Begegnungen [PM der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vom 26.01.2011] · Transferstelle für die jugendpolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der EU bei JUGEND für Europa [PM von Jugend für Europa 19.01.2011] · Staatsministerin Böhmer zum Migrationsbericht 2009: "Zuwanderung und Integration müssen Hand in Hand gehen" [PM der Bundesregierung vom 19.01.2011] · Studie belegt und dokumentiert Nutzen von internationalen Begegnungen für Kinder · Die Bundesregierung sieht keinen Bedarf, das Zuwendungsrecht zu vereinfachen. · Sarrazin-Argumente halten Prüfung nicht stand - Veröffentlichung einer Studie der Humboldt-Universität [Migration und Bevölkerung 01/ Januar 2011] · EU Kulturrat richet eine Arbeitsgruppe zum Interkulturellen Dialog ein [PM vom Europarat, November 2010] · Der Erhalt des Kulturguts der früheren deutschen Siedler in Osteuropa fördert interkulturelle Begegnungen Bericht der Bundesregierung über die Maßnahmen zur Förderung der Kulturarbeit gemäß Paragraph 96 des Bundesvertriebenengesetzes. Heute wird im Ausschuss für Kultur und Medien der Bericht der Bundesregierung über die Maßnahmen zur Förderung der Kulturarbeit gemäß Paragraph 96 des Bundesvertriebenengesetzes behandelt. Dazu erklären der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Börnsen (Bönstrup) und der zuständige Berichterstatter Thomas Strobl: „Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion begrüßt, dass die Bundesregierung weiterhin durch umfangreiche Förderung das Kulturgut der historischen deutschen Ost- und Siedlungsgebiete im Bewusstsein der Bevölkerung erhält. Seit die Union die Bundesregierung führt, wurden die Bemühungen um die Pflege und den Schutz der deutschen Kultur in den osteuropäischen Ländern verstärkt; auch um damit interkulturelle Begegnungen zu fördern. Seit vielen Jahren unterstützt der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Archive, Museen und Bibliotheken sowie wissenschaftliche Forschungseinrichtungen, die sich mit der deutschen Kultur im östlichen Europa beschäftigen, mit rund 14 Millionen Euro jährlich. Die Förderung verständigungspolitischer Arbeit und des kulturellen Austausches verdeutlicht, dass für die Union das Gedenken an Migration und Siedlung auf der einen Seite und Flucht und Vertreibung auf der anderen Seite eine gesamteuropäische Verantwortung ist und nur in internationaler Zusammenarbeit gelingen kann. Die Union versteht die Förderung von Einrichtungen, die das Kulturgut der früheren deutschen Siedler im Osten für die Öffentlichkeit erhalten und aufbereiten, als Brückenschlag zwischen nationaler Identität und europäischem Bewusstsein. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat sich der Belange der Vertriebenen angenommen, indem sie den Antrag „60 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen – Aussöhnung vollenden“ auf den Weg gebracht hat, der ebenfalls heute im Ausschuss für Kultur und Medien beraten wird. Der Antrag würdigt die Charta als eines der Gründungsdokumente der Bundesrepublik. Damit setzt die Koalition ein Zeichen der Solidarität mit den Heimatvertriebenen. Mit ihrem Einsatz dafür, dass das deutsche Kulturgut in Osteuropa im Bewusstsein der Bevölkerung erhalten bleibt, folgt die CDU/CSU-Bundestagsfraktion den Empfehlungen der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“. In deren Schlussbericht heißt es: „Es gehört zum Selbstverständnis Deutschlands als Kulturnation, das kulturelle Erbe der früheren deutschen Siedlungsgebiete ebenso wie das Gedenken an Flucht und Vertreibung zu bewahren.“ Hintergrund: Paragraph 96 des Bundesvertriebenengesetzes verpflichtet Bund und Länder, „das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten, Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten sowie Einrichtungen des Kunstschaffens und der Ausbildung sicherzustellen und zu fördern. Sie haben Wissenschaft und Forschung bei der Erfüllung der Aufgaben, die sich aus der Vertreibung und der Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge ergeben, sowie die Weiterentwicklung der Kulturleistungen der Vertriebenen und Flüchtlinge zu fördern.“ Die Bundesregierung hat u.a. das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa mit Sitz in Oldenburg mit 876.000 Euro gefördert. Unter den geförderten Museen befinden sich das Siebenbürgisches Museum in Gundelsheim (229.000 Euro), das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm (296.000 Euro), das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg (424.000 Euro) oder das Westpreußische Landesmuseum in Münster (480.000 Euro). Außerdem erhielten Forschungseinrichtungen und Bibliotheken wie das Herder-Institut in Marburg (1,804 Millionen Euro) und Kultureinrichtungen wie das Deutsche Kulturforum östliches Europa in Potsdam (1,087 Millionen Euro) Förderung durch den Bund. · Transferstelle für die jugendpolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der EU bei JUGEND für Europa Die neu eingerichtete Transferstelle soll a) jugendpolitische Impulse aus Europa in die deutsche Kinder- und Jugendhilfe tragen und b) Impulse aus Deutschland nutzbar machen für die Weiterentwicklung der europäischen Zusammenarbeit im Jugendbereich. Die Transferstelle für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Deutschland hat Ende 2010 die Arbeit aufgenommen und ist bei JUGEND für Europa angesiedelt. Die Jugendminister der EU haben sich im November 2009 auf einen erneuerten Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa (2010-2018), auch EU-Jugendstrategie genannt, geeinigt. Im Kern geht es darum, mehr Möglichkeiten und mehr Chancengleichheit für alle jungen Menschen im Bildungswesen und auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen sowie das gesellschaftliche Engagement, die soziale Eingliederung und die Solidarität aller jungen Menschen zu fördern. In Deutschland erfolgt die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in der Verantwortung des BMFSFJ. Sie verfolgt das Ziel, Impulse aus der europäischen Zusammenarbeit im Jugendbereich aufzunehmen und sie zu einem wichtigen Motor für die Qualifizierung von Praxis und Politik der Kinder- und Jugendhilfe zu machen. Der Kern der Umsetzung in Deutschland ist gemäß der föderalen Struktur in der deutschen Jugendpolitik eine enge Bund-Länder Zusammenarbeit, die durch eine gemeinsame Arbeitsgruppe gesteuert wird. Bis 2013 haben sich der Bund und die Länder auf die Bearbeitung von drei Schwerpunktthemen geeinigt: Soziale Integration und gelingende Übergänge in Arbeit, Partizipation, Aufwertung und Anerkennung informeller und nichtformaler Bildung unter Wahrung der Standards und Konzepte der Jugendarbeit. Zur Unterstützung der Bund-Länder Zusammenarbeit und seiner weiteren Aktivitäten zur Strategieumsetzung hat der Bund fünf Projekte zunächst bis Ende 2013 implementiert: die Servicestelle für die Bund-Länder Zusammenarbeit (BBJ Servis gGmbH), das Monitoring und die wissenschaftliche Begleitung der Bund-Länder Zusammenarbeit (DJI), die Nationale Koordinierungsstelle zur Umsetzung des Strukturierten Dialogs (DBJR), die Evaluation des Strukturierten Dialogs (CAP) und die Transferstelle für die jugendpolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der EU (JUGEND für Europa). Nähere Informationen bei: Transferstelle für die jugendpolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der EU Claudius Siebel, E-Mail: siebel@jfemail.de, Tel.: 0228 9506228 http://www.jugendfuereuropa.de/unsere-informationsangebote/news/7236/ · Staatsministerin Böhmer zum Migrationsbericht 2009: "Zuwanderung und Integration müssen Hand in Hand gehen" Anlässlich des heute im Bundeskabinett vom Bundesinnenminister vorgelegten Migrationsberichts 2009 hat Staatsministerin Maria Böhmer gefordert, bei der notwendigen Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften und Akademikern auch deren Integration in den Blick zu nehmen. "Wir dürfen nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen. Zuwanderung und Integration gehören zusammen! Eine intensive Begleitung der Zuwanderer ist nicht nur im Rahmen des Familiennachzugs oder bei Zuwanderung aus humanitären Gründen notwendig. Um den Zusammenhalt in unserem Land auf Dauer zu sichern, dürfen auch gut ausgebildete Fachkräfte und ihre Familien nicht allein gelassen werden. Integration ist kein Selbstläufer", betonte Böhmer. "Der Fachkräftemangel ist in vielen Branchen und Regionen immer stärker spürbar. Umso mehr ist unser Land darauf angewiesen, die vorhandenen Potenziale in unserem Land besser zu nutzen. Dazu gehören die Fähigkeiten von Frauen, von Älteren und von Migranten. Zugleich gilt es, unser Land für kluge Köpfe aus aller Welt attraktiver zu machen. Dass wir auf dem richtigen Weg sind, belegt der hohe Anteil ausländischer Studenten in Deutschland. 60.910 ausländische Studierende haben sich 2009 erstmals an einer deutschen Hochschule eingeschrieben - so viele wie noch nie. Sie müssen motiviert werden, sich nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums mit ihren Fähigkeiten in Deutschland einzubringen. Darüber hinaus kommt es darauf an, auch mehr bereits gut qualifizierte Zuwanderer für unser Land zu gewinnen", erklärte Böhmer. Laut Migrationsbericht ist die Zahl der Arbeitsmigranten 2009 gesunken. So ging beispielsweise die Zahl der Arbeitsgenehmigungen für Drittstaatsangehörige von 78.845 im Jahr 2008 auf 60.028 im Jahr 2009 zurück. Das betrifft beispielsweise auch IT-Fachkräfte. Insgesamt war 2009 wie bereits im Vorjahr die Abwanderung aus Deutschland größer als die Zuwanderung. 2009 betrug der Saldo 12.800 Personen, 2008 waren es allerdings noch 56.000. Hauptherkunftsländer waren Polen, Rumänien und die USA. Danach folgt die Türkei, in die aber im vierten Jahr in Folge mehr Menschen aus Deutschland abwanderten als von dort zu uns kamen. "Aus Studien wissen wir, dass insbesondere in Deutschland ausgebildete junge Menschen mit türkischen Wurzeln in ihr Herkunftsland zurückkehren, weil sie sich dort bessere berufliche Chancen ausrechnen. Unser Ziel muss es sein, ihnen und allen anderen qualifizierten Migranten in Deutschland eine erfolgversprechende Perspektive zu bieten. Wir müssen den Brain-Drain stoppen!", betonte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. "Stärken vieler Migranten wie Sprachkenntnisse und eigene kulturelle Erfahrungen müssen noch intensiver in den Blick gerückt werden. Zugleich wird das geplante Gesetz zur verbesserten Anerkennung ausländischer Abschlüsse dazu beitragen, die Potenziale der qualifizierten Zuwanderer besser nutzen zu können. Die Botschaft lautet: Jeder, der sich bei uns mit seinen Fähigkeiten einbringen will, ist willkommen", so Böhmer. http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2011/ Migrationsbericht_2009_de.pdf?__blob=publicationFile · Studie belegt und dokumentiert Nutzen von internationalen Begegnungen für Kinder Die Hauptstudie „Interkulturelle Kompetenz durch internationale Kinderbegegnung“ fragt nach den Potenzialen von internationalen Kinderbegegnungen für interkulturelles Lernen und die Entwicklung interkultureller Kompetenz bei acht- bis zwölfjährigen Kindern aus Deutschland. Das Forschungsinteresse und die Fragestellungen der Untersuchung knüpfen an die Ergebnisse der Vorstudie "Interkulturelle Kompetenz durch internationale Kinderbegegnung" des Deutschen Jugendinstituts an. Die vorliegenden Ergebnisse verstärken die Annahme, dass Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren eine besonders geeignete Zielgruppe für den Beginn von interkulturellen Lernerfahrungen darstellen und internationale Kinderbegegnungen einen wichtigen Beitrag für den Erwerb interkultureller Kompetenz und gegen die Entwicklung fremdenfeindlicher Einstellungen leisten können. Bei der Hauptstudie handelt es sich um ein gemeinsames Projekt zur Kindheits- und Migrationsforschung von der "Forschungsgruppe "Migration, Integration und interethnisches Zusammenleben" und der Abteilung "Kinder und Kinderbetreuung" . Die Studie kann ab sofort kostenlos auf der Homepage des DJI heruntergeladen werden: Endbericht · Die Bundesregierung sieht keinen Bedarf, das Zuwendungsrecht zu vereinfachen. Dies teilt sie in ihrer Antwort (17/4328 ) auf eine Kleine Anfrage (17/4080 ) der SPD-Bundestagsfraktion mit. · Sarrazin-Argumente halten Prüfung nicht stand - Veröffentlichung einer Studie der Humboldt-Universität Wissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität unter der Leitung von Dr. Naika Foroutan haben Thilo Sarrazins kontroverse Thesen zu Muslimen in Deutschland mit vorliegenden Erkenntnissen aus der Forschung überprüft. Sie kommen zu gegenteiligen Ergebnissen. Dass die Debatte der Integration schadet, belegt eine aktuelle Befragung des Sachverständigenrats der deutschen Stiftungen für Integration und Migration. Mit seinen kontroversen Thesen zur Integration von Muslimen in Deutschland hatte der ehemalige Berliner Finanzsenator und Ex-Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin (SPD) eine heftige Integrationsdebatte ausgelöst. Sarrazin unterstellt der in Deutschland lebenden muslimischen Bevölkerung, insbesondere den türkisch- und arabischstämmigen Muslimen, eine mangelhafte Integrationsbereitschaft, geringe Sprachkenntnisse, unzureichende Schulerfolge und eine schlechte Integration auf dem Arbeitsmarkt sowie damit einhergehend eine hohe Inanspruchnahme von Transferleistungen (vgl. MuB 7-8/10, 8/09). Diese Thesen überprüfte eine Gruppe von Wissenschaftlern des HEYMAT-Projektes (Hybride europäisch-muslimische Identitätsmodelle) an der Berliner Humboldt-Universität. In ihrer Studie „Sarrazins Thesen auf dem Prüfstand“ verglichen sie die von ihm verwendeten Daten mit der empirischen Sachlage zum Stand der strukturellen, kulturellen und sozialen Integration von Muslimen und türkischstämmigen Personen in Deutschland. Dabei griffen die Wissenschaftler auf offizielle Daten, Analysen und Forschungsergebnisse des Statistischen Bundesamtes, des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sowie des Bundesinnenministeriums, aber auch auf Studien von renommierten Fachgremien, Institutionen oder Stiftungen zurück. Sie zeigen, dass Sarrazin häufig nur die negativen Aspekte aus Statistiken gezogen hat, die positiven aber nicht berücksichtigte. Seiner Negativliste stellen sie nun ihre Positivliste entgegen. Strukturelle Integration: Die Daten zur Eingliederung der muslimischen Migranten und deren Nachkommen n Bildungssystem und Arbeitsmarkt zeigten, dass man entgegen Sarrazins Behauptungen von einer erfolgreichen strukturellen Integration sprechen könne (vgl. MuB 5/10). Die generationenübergreifenden Bildungsverläufe von Muslimen seien nachvollziehbar positiv. Über 40 % der zweiten und dritten Generation der türkischen Gastarbeiter verließen die Schule mit einem besseren Bildungsabschluss als die Elterngeneration. Auch die Bildungsansprüche in Familien mit türkischem Migrationshintergrund seien nachweislich höher als in Familien ohne Migrationshintergrund. Diese könnten jedoch nicht die „nachteiligere soziale Positionierung“ und die „schlechtere Ausstattung mit bildungsrelevanten Ressourcen“ kompensieren. Die wesentliche Hürde zum Lernerfolg sei daher der sozioökonomische Status und nicht die fehlende Bereitschaft zu lernen, stellen die Autoren fest. Am Beispiel der Migranten aus Irak, Iran und Afghanistan machten die Wissenschaftler außerdem deutlich, dass ein hoher Bildungsabschluss nicht automatisch einen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt eröffne. Zwar haben 33 % der in Deutschland lebenden Iraner, Iraker und Afghanen ein (Fach-)Abitur, dennoch ist jeder vierte dieser Gruppe erwerbslos (25,4 %). In der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund besitzen lediglich 21,5 % einen solchen Abschluss, aber der Anteil der Erwerbslosen ist mit 6,4 % dennoch deutlich niedriger. Kulturelle Integration: Für Sarrazins Vorwurf, türkische Migranten würden sich nicht bemühen, Deutsch zu lernen, fanden die Wissenschaftler keinen statistischen Beleg. Vielmehr ginge aus den Statistiken hervor, dass mindestens 70 % der Personen mit türkischem Migrationshintergrund gut oder sehr gut Deutsch sprechen. Darüber hinaus nehme entgegen Sarrazins Behauptungen die Häufigkeit des Kopftuchtragens von Generation zu Generation ab. Auch eine zunehmende Verweigerung kultureller Integration über die Nichtteilnahme am Schwimm- und Sportunterricht sei den Daten nicht zu entnehmen. Über 90 % der muslimischstämmigen Schüler nehmen an diesen Angeboten teil, bei denen Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet werden (vgl. MuB 7/07). Soziale Integration: Die soziale Interaktion muslimischer Migranten mit deutschen Kollegen, Nachbarn und Freunden bewerten die zitierten Studien alle positiv. Auch die Neigung, interethnische Partnerschaften einzugehen, nimmt von Einwanderergeneration zu Einwanderergeneration sichtbar zu, während Deutsche weiterhin vorwiegend Deutsche ohne Migrationshintergrund heiraten. Darüber hinaus zeigen die Autoren, dass es keinen Zusammenhang zwischen Islam und Kriminalität gebe, wie Sarrazin behauptet. Vielmehr belegen sie anhand zahlreicher Studien, dass soziostrukturelle Bedingungen und Gewalterfahrungen in der Familie zentrale Motive für Jugendgewalt sind (vgl. MuB 5/ 10). Höhe der Einwanderung: Die These einer „Überwanderung“ Deutschlands durch arabisch- oder türkischstämmige Menschen widerlegen die Wissenschaftler mit den vorhandenen Daten. Der Wanderungssaldo gegenüber der Türkei ist seit 2002 rückläufig und fällt seit 2006 in zunehmendem Maße negativ aus (2006: -1.780; 2007: -3.246; 2008: - 10.147, 2009: -10.071; vgl. MuB 5/10). Fazit: Als „tendenziös und pauschal abwertend“ beurteilen die Autoren Sarrazins Thesen. Das „gezielte Verschweigen“ einer weitgehend erfolgreichen Integration und die „Ausweitung des Diskursraums bis an die Grenzen der Diffamierung“ drohen die zuvor messbaren Integrationserfolge rückgängig zu machen. Nicht Integration, sondern „Ängste, Ressentiments und rassistische Abwehrreaktionen“ seien in der Auseinandersetzung mit seinen Thesen verhandelt worden, schreiben die Autoren. SVR-Befragung: Welche Spuren die Sarrazin-Debatte in der Gesellschaft hinterlassen hat, machen die Ergebnisse einer Studie des Sachverständigenrates der deutschen Stiftungen für Integration und Migration (SVR) deutlich. Die Befragung zum Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft ist für die alten Bundesländer, jedoch nicht für Gesamtdeutschland repräsentativ. Der SVR hatte dafür im Herbst 2009 und am Jahresende 2010 über 2.000 Personen mit und ohne Migrationshintergrund befragt. Bewerteten 2009 noch 21,7 % der befragten Zuwanderer das Zusammenleben von Mehrheitsbevölkerung und Zuwanderern uneingeschränkt positiv, waren im November und Dezember 2010 nur noch 9,1 % der befragten Migranten dieser Meinung. Der Anteil derer, die das Zusammenleben schon 2009 deutlich negativ bewerteten, wuchs unter den Zuwanderern von 3,5 % auf 6 %. In der Mehrheitsbevölkerung nahm die Einschätzung eines uneingeschränkt positiven Zusammenlebens ebenfalls ab – von 10,7 % im Jahr 2009 auf 4,3 % im Jahr 2010. Andererseits war aber auch der Anteil derjenigen rückläufig, die das Zusammenleben von Mehrheitsbevölkerung und Zuwanderern deutlich negativ bewerteten (2009: 6,7 %; 2010: 4 %). Der Anteil derjenigen, die das Zusammenleben als teils ungestört, teils problematisch bewerteten, wuchs unter den Zuwanderern auf 32,7 % (2009: 20,3 %) und in der Mehrheitsbevölkerung auf 34,2 % (2009: 20,9 %). „In den Meinungsspitzen beobachten wir mehr Pessimismus bei den Zuwanderern und mehr Pragmatismus bei den Deutschen. Aber das breite Mittelfeld bleibt auf beiden Seiten eher gelassen“, konstatierte der SVR-Vorsitzende Klaus J. Bade. Allerdings könne die Debatte im Ausland das Image Deutschlands als Einwanderungsland beschädigt haben. In dem Fall sei die Debatte ein „Eigentor“ für Deutschland, das als „Migrationsverlierer“ ohnehin an seiner Attraktivität für qualifizierte Zuwanderer arbeiten müsse. Weitere Informationen und Studie: www.heymat.hu-berlin.de · EU Kulturrat richet eine Arbeitsgruppe zum Interkulturellen Dialog ein What the Platform for Intercultural Europe has demanded since 2008 despite many discouragements, was adopted on 16th November as part of the EU Culture Council's new work plan: EU Member governments will designate experts for a working group to promote better access to and wider participation in culture as well as cultural diversity and intercultural dialogue. The experts' task for the next two years (2011­2012) will be to "identify policies and good practice of public arts and cultural institutions to promote better access to and wider participation in culture", as well as to "identify good practice in creating spaces in public arts and cultural institutions to facilitate exchanges among cultures and between social groups, in particular by highlighting the intercultural dimension of the heritage and by promoting artistic and cultural education and developing intercultural competences." It will be a key component of the Platform for Intercultural Europe's work programme to accompany and influence this work. Find the EU Culture Council Workplan here: www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_Data/docs/pressdata/en/educ/117795.pdf So, das war’s für heute. Wir hoffen, im Nachrichtenticker war etwas Interessantes für Euch dabei. Mit lieben Grüßen Euer Team der djo-Bundesgeschäftsstelle